Tanz auf dem Vulkan: Tongariro 2.0 // Neuseeland Tag 42

 In Tagebuch

Eigentlich haben wir Neuseelands wohl berühmteste Tageswanderung, das Tongariro Crossing, schon vor sieben Jahren gemacht. Leider war damals teilweise das Wetter nicht ganz ideal (streckenweise dichter Nebel). Manche Aussichten waren dennoch so vielversprechend, dass wir die Wanderung bei besserem Wetter doch gerne nochmal gemacht hätten. 19,4 km und 770 Höhenmeter machen uns inzwischen auch weniger Angst, wir sind einfach „bewanderter“, haben also mehr Erfahrungen mit längeren Wanderungen, sind fitter und selbstbewusster. Damals hatte vor allem ich Sorge, dass ich die Strecke gar nicht schaffe oder unterwegs erfriere, falls ich nicht verhungere oder verdurste oder… Diesmal war klar, dass das kein großes „Problem“ wird, so was haben wir in letzter Zeit schließlich öfter gemacht.

Blick über den Red Crater des Tongariro

Die Wettervorhersage für heute war ausgesprochen gut, nach Auflösung von Morgennebel sollte es bei 23 Grad weitgehend sonnig sein, kein Regen in Sicht. Wobei das Wetter in den Bergen ja immer etwas unberechenbarer ist. Also buchten wir das Shuttle, das uns um halb sieben vom Endparkplatz zum Ausgangspunkt der Wanderung brachte, standen um 6 Uhr morgens auf und packten unsere Rucksäcke mit 4 Litern Wasser, Brotzeit, Obst, Müsliriegeln, Klopapier und warmer Kleidung. Oben wird es nämlich immer etwas frisch.

Und wir hatten wirklich Glück. Kein Nebel diesmal, sondern viel Sonne und eine meist gute Sicht. Gerade um die Gipfel der Berge herum bilden sich natürlich gerne mal Wolken, aber die verzogen sich zwischendurch immer wieder. Also viel besser als an diesem Tag kann das Wetter bei den Vulkanen kaum werden. Wir durchstapften die Heidelandschaft und Ebenen mit erstarrten Lavabrocken, immer wieder sah man auch den Gipfel des schönen Vulkans Ngauruhoe, den wir beim letzten Tongariro Crossing quasi gar nicht erblickt hatten.

Die Anstiege (auf knapp 1900 m) erschienen uns diesmal weit weniger anstrengend, zwischendurch kann man sich immer wieder auf ebeneren Streckenabschnitten ausruhen. Nachteil ist, dass inzwischen wirklich ziemlich viel los ist hier, teilweise ist es schon eine rechte Völkerwanderung. Im Vergleich zu 2011 gibt es allerdings deutlich mehr Toilettenhäuschen, was bei der Menge an Wanderern notwendig ist, für uns aber auch ganz nett war. Deckung gibt es so ohne Vegetation nämlich keine…

Spaßig ist dann der Abstieg vom roten Krater Richtung Emerald Lakes über loses Vulkangestein bzw. die Beobachtung der anderen Touristen dabei. Da sind schon sehr viele, die nicht sehr oft wandern, die sich fürchten und dann die seltsamsten Strategien entwickeln, den Hang hinunter zu kommen. Noch toller ist natürlich der Anblick des Red Craters und der türkisgrünen Seen. Diesmal haben wir fast eine Stunde Pause hier oben gemacht, für die Brotzeit, zum Fotografieren und Filmen. Und dann sind wir noch abseits der Hauptstrecke um einen der Emerald Lakes herumgegangen, was sich sehr gelohnt hat! Hier blubbert an einigen Stellen heißes Wasser hoch oder es drückt zischend Dampf nach oben. Es stinkt schweflig und der Dampf verfärbt die Felsen hellgrün-gelblich. Alles in Allem extrem faszinierend!

Nach dem schönen, ruhig daliegenden Blue Lake geht es wieder langsam abwärts und hier zieht sich die Wanderung auch etwas. Der Weg ist top präpariert und einfach zu gehen, aber erscheint einem unheimlich lang. Dann kommen noch 2-3 winzige Anstiege, aber die armen Beinchen sind nach der Strecke schon so müde, dass sie einem schwer wie Berge vorkommen… Ich glaube, nach dem Tongariro Crossing ist wirklich jeder froh, wenn er den rettenden Parkplatz und das wartende Auto erreicht. Wir haben jedenfalls Leute gesehen, die noch deutlich geschaffter wirkten, als wir es waren. Unterwegs waren wir gut 8 ½ Stunden, wobei wir wie gesagt eine Stunde Mittagspause und viele, viele Fotostopps gemacht haben. Vielleicht wandern wir schneller, Marc fotografiert allerdings noch mehr…

Ein absoluter Pluspunkt für uns war, dass wir die Unterkunft für heute Nacht schon gebucht hatten: wir kehrten zum Campingplatz und den Thermal Pools im Waikite Valley zurück. Zwar hatten wir noch 90 Minuten Fahrt ab dem Tongariro, dann konnten wir uns aber in die warmen Quellen stürzen und unsere müden Knochen entspannen. Herrlich! Und ich kann euch sagen, dass wir sehr, sehr gut schlafen werden!

 

Tagebuchprotokoll vom 16. Februar 2018
Gefahrene Distanz: 154 Km
Wanderung: 21 Km
Unterkunft: Waikite Valley Thermal Pools Campground
Lese-Tipps
2 Kommentare
  • Kaya
    Papa
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    Das Thierchen wirkt jedenfalls geschaffter als du. Chapeau!

    • Kaya
      Marc
      Antworten

      Danke, ja, wir sind eben (zwischenzeitlich) ganz gut trainiert. Touren bis zu einer Länge von 20km und/oder 1.000 Höhenmetern machen uns jedenfalls zur Zeit keine Angst. :-)

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