Von Affen und Glühwürmchen // Neuseeland Tag 28

 In Neuseeland, Tagebuch

Schließlich kann nicht zwei Monate lang ununterbrochen gutes Wetter herrschen! Es müssen sich schon auch ein wenig Sturm, Regen und graue Wolken dazwischenschieben, sonst weiß man die Hitzewelle der letzten zwei Wochen überhaupt nicht richtig zu schätzen. Nein, wir wollen nicht, dass es so bleibt. Unser vom gestrigen am-Meer-im-Sturm-Stehen völlig salzverkrusteter Camper hat die Regendusche heute aber sichtlich genossen (sichtlich, weil man nun durch die Scheiben wieder etwas sieht). Der Sturm hatte sich über Nacht gelegt und Starkregen war das heute wahrlich nicht. Mit nur noch 10-20 Grad ist es nach dem Tropensturm allerdings gut 10 Grad kühler als in den letzten Tagen und es blieb ganztags grau. Nun ja.

Wir nahmen die Küstenstraße ab Kaikoura Richtung Blenheim, durch Weinanbaugebiete und direkt neben Meer und Klippen. Die Straße ist allerdings über weite Teile hin Baustelle, da sie durch ein Erdbeben 2016 größtenteils abgerutscht, zugeschüttet, weggeschwemmt oder sonstwie beschädigt wurde. Erst seit Kurzem ist sie wieder komplett befahrbar, allerdings nur tagsüber und oft nur one way, sodass man bei den freundlich grüßenden Straßenarbeitern eine kleine Zwangspause einlegen muss. Und auf die große Robbenkolonie direkt neben der Straße kann man nur ein paar Seitenblicke werfen, Haltemöglichkeiten gibt es leider gar nicht.

Oberhalb von Blenheim fuhren wir dann Richtung Rarangi und Monkey Bay an die Küste. Keine Affen zu sehen, dafür aber ein kurzer Wanderweg in die kleine Bucht mit toller Aussicht, selbst bei diesem trüben Wetter bis rüber zur Nordinsel Neuseelands. Weiter ging es zum Whites Bay Campingplatz nahe Rarangi, dem ersten DOC-Campground, den wir in diesem Urlaub ansteuern. Bei diesem kühlen Wetter spart man wenigstens Zeit, denn unter die Duschen ohne Warmwasser zieht uns heute nichts.

Stattdessen wanderten wir im leichten Regen den Black Jack’s Loop Track ab und hatten damit die Farben schwarz und weiß und das Grau dazwischen für heute abgehakt. Auch hier ist schöner Regenwald und eine tolle Aussicht aufs Meer bzw. rüber auf die Marlborough Sounds. Das Meer changiert heute zwischen milchig mint und licht oliv, ein helles Grün mit Grauanteil, das gerne türkis glitzern und leuchten würde, es aber nicht schafft. Nebenbei pflückt der Regen die Zikaden von den Bäumen, die einem erschreckend und erschrocken um die Ohren fliegen, statt in der Sonne zu zirpen.

Neben den Zikaden gab es heute noch andere Winztiere zu entdecken: neuseeländische Glühwürmchen, die mit deutlich größerer Berechtigung „Würmchen“ heißen als die europäischen, immerhin sehen sie wie Würmer aus und fliegen nicht sinnlos herum. Vor dem Mussel Inn (und nach ein paar Bier) gab Marc irgendwelchen glühwürmchensuchenden Touristen ja schon die Antwort: na, in Waitomo seien die. Das stimmt zwar, aber nicht nur in den berühmten Höhlen mitten auf der Nordinsel kommen die leuchtenden Thierchen vor, auch auf der Südinsel trifft man sie hin und wieder. So auch in einem „grotto“ direkt neben unserem Campingplatz.

Das ist eigentlich nur eine Felswand neben einem kleinen Bach, Eintritt muss man hier auch keinen zahlen. Da sitzen die Würmchen also, spinnen klebrige Fäden und locken damit die Insekten an, um sie zu verspeisen. Im Dunkeln sieht man nichts Ekliges oder gar Barbarisches, man sieht nur glühende Pünktchen an der Wand, wie winzige LEDs, dem Sternenhimmel Konkurrenz zu machen. Wie könnte man nach einer so bezaubernden Nachtwanderung nicht gut schlafen, den vielpunktigen Glüwürmchenhimmel im Sinn?

Tagebuchprotokoll vom 2. Februar 2018
Gefahrene Distanz: 152 Km
Wanderungen: 7 Km
Unterkunft: Whites Bay Campground (DOC)
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Wenn wir nicht hier sind, dann sind wir auf dem Sonnendeck. Oder am Strand. Auf nette Anfragen per Mail reagieren das Beutelthierchen und sein Team aber schnellstmöglich.

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