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ie unterscheiden sich denn nun Neuseeland und Australien? „So eine dumme Frage!“, muss ich mir da gleich selbst zurufen, „das kann man doch gar nicht vergleichen! Zwei komplett verschiedene Länder!“ – „Naja, aber ich könnte es doch versuchen, wir sind jetzt schon ein paar Wochen in Australien und zumindest erste Eindrücke…“ – „Na, dann versuch es doch, wirst schon sehen, wohin das führt!“ – „…“

Okay, natürlich, man kann Neuseeland und Australien irgendwie schlecht vergleichen. Beide sind sich vor allem darin ähnlich, dass sie englisch geprägt sind: man spricht Englisch, fährt links und „genießt“ teilweise die englische Küche. Aber das kam ja eigentlich erst später. Und sonst? Neuseeland „ist“ zwei Inseln, klein, schmal, extrem grün und teilweise ziemlich nass. Australien ist riesig, ein Kontinent mit roter verbrannter Erde, ausgetrocknet oder gleich überschwemmt. So weit wie das Land ist aber auch der Himmel, nirgendwo kann es mehr Himmel geben als im australischen Outback. Und nirgendwo kann es besser riechen als in einem australischen Eukalyptuswald, würzig und atembefreiend, wobei die meisten Wälder in Australien Eukalyptuswälder sind.


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euseelands Städte sind – das muß an dieser Stelle leider nochmal betont werden – kaum bemerkens- und ebensowenig besuchenswert. Aber wie immer gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Zu den Ausnahmen zählt (neben der lebhaften Hauptstadt Wellington) sicherlich Christchurch, die größte Stadt der Südinsel.

Umso tragischer, daß ausgerechnet Christchurch heute von einem schweren Erdbeben getroffen wurde. Weite Teile der Stadt trugen schwere Schäden davon und die Zahl der Todesopfer wird am Ende wohl dreistellig sein. Bis die sympathische Stadt am Avon wieder ein so unbeschwertes Sommerwochenende erleben wird wie vor zwei Wochen, als das Beutelthierchen und seine Begleiter auf der Durchreise waren, wird wohl noch einige Zeit vergehen.

Ach hätten die Städte Neuseelands ein wenig mehr von Christchurch. In der Stadt an der Ostküste findet man endlich einmal wieder städtisches Flair, wie man es von einer Stadt dieser Größenordnung (Christchurch hat 350.000 Einwohner) auch erwartet. Klar, auch Christchurch hat seinen Speckgürtel mit den braven Vorortsiedlungen und den hübschen Gärtchen. Mittendrin aber gibt es auch eine (groß-)städtische Szene. Es gibt nette Straßencafés und Kneipen und etliche Plätze und Ecken, die einen Besuch wert sind.


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uch das ist Neuseeland: Glitzernde Bürohochhäuser aus Glas und Stahl, mehrspurige Stadtautobahnen und jede Menge Leben. In Wellington zeigen die Neuseeländer der Welt ganz offensichtlich, daß sie auch anders können. Während in (fast) allen anderen Städten Neuseelands abends noch vor Sonnenuntergang die Gehsteige hochgeklappt werden, geht es in der neuseeländischen Hauptstadt dann erst richtig los.

Schuld sind vermutlich die Fische oder auch die leckeren Steaks. Oder die ganze verflixt-schöne Natur in diesem Land. Fest steht, daß es der gemeine Neuseeländer gerne ruhig und entspannt angehen lässt. Entsprechend wählt er seine Leidenschaften. Angeln, BBQ oder er geht an seinen hübschen Stränden spazieren oder erklimmt irgendwelche Berge. Für Partys und Nachtleben bleibt da nicht viel Zeit. Ist ja auch nicht notwendig, wenn man erstmal die frisch geangelten Forellen auf den Grill gelegt und sich das verdiente Feierabendbier geöffnet hat.


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E

igentlich könnte man sich nach einer Wanderung wie unserer über den Vulkan Tongariro ja ausruhen. Taten wir aber nicht, war ja klar… Noch am Abend nach der Wanderung (25.1.) fuhren wir nach Napier, wo wir in der sehr netten Jugendherberge (mit Meerblick!) unterkamen. Da haben wir noch schnell gekocht und im hübschen Innenhof gegessen, das war es aber auch.

Erst am nächsten Tag (26.) sind wir durch die Stadt Napier gegangen und haben uns die berühmten Art-deco-Fassaden angesehen. 1931 stürzte die halbe Stadt bei einem Erdbeben zusammen und man entschloss sich, vieles im Stil des Art deco aufzubauen.

Beeindruckender als die ganz ansehnlichen (für jugendstilverwöhnte Europäer aber dann doch nicht sooo besonders bemerkenswerten) Fassaden ist die Lebendigkeit der Stadt. Viele Cafés mit Tischchen und Stühlen draußen, eine lebhafte Fußgängerzone mit Straßenmusikanten, eine Promenade am Meer, alles was ein Küstenort braucht. Und das Art deco führt immerhin dazu, dass die Stadt deutlich weniger hässlich ist und weniger dem neuseeländischen Einheitsbrei kleinerer Städte entspricht.


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G

lühwürmchen glühen. In Neuseeland glühen Glühwürmchen praktischerweise an Höhlendecken, sodass man sie den ganzen Tag lang  und nicht nur nachts bestaunen kann. Und obwohl wir schon einige wenige Glühwürmchen in der Karangahake Gorge gesichtet haben, glühen sie offenbar ganz besonders gerne in den Höhlen rings um Waitomo.

Auch sonst haben diese Glowworms (Arachnocampa luminosa) nicht besonders viel mit europäischen Glühwürmchen zu tun. Sie können nicht fliegen, sondern sind Larven, die an Höhlendecken kleben und dort lange klebrige Fäden spinnen, die herunterhängen. Dann glühen sie, in Gruppen, damit in die Höhle fliegende Insekten glauben den Sternenhimmel über sich zu haben und hinfliegen. Sie verheddern sich und werden von den Glowworms gefressen. Nicht besonders romantisch. Fressen müssen sie aber, denn einmal verpuppt und als Fliege geschlüpft zeugen sie nur weitere Glowworms und sterben bald: sie können als „fertiges“ Insekt nicht fressen, denn sie besitzen keinen Mund!


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Bei der neuseeländischen Steigerung habe ich übrigens noch was vergessen: hier sind auch die Ortsnamen niedlicher! Einige Nächte lang waren wir bei Kohukohu, dann führte unser Weg vorbei an Wekaweka und Kaukapakapa. Gehalten haben wir am Strand von Karekare (Drehort von „Das Piano“). Waipapa und Kerikeri an der Bay of Islands haben wir ausgelassen, durchfahren haben wir allerdings Kawakawa (wo Hundertwasser Toiletten gebaut hat!), Pakaraka und auch Kihikihi.


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A

uckland ist keine Stadt, sondern eine nicht enden wollende Vorstadt. Natürlich gibt es das Zentrum Aucklands mit Einkaufsstraßen, -passagen und Kneipen, einigen Wolkenkratzern und dem Skytower, dem mit 328 Metern höchsten Gebäude der südlichen Hemisphäre – in Dubai lacht man sich über diese Höhe allerdings kaputt, oder?

Abgesehen davon ist Auckland allerdings zwar flächenmäßig groß, fühlt sich dennoch aber nicht wie eine Großstadt an, denn außerhalb des recht überschaubaren Zentrums beginnt sofort die „Vorstadt“: lauter kleine Häuschen mit Garten nebeneinander. Aber Marc hat mir schon mehrmals gesagt, dass man „nicht wegen der Städte nach Neuseeland“ komme. Auch recht.


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Und das soll das andere Ende der Welt sein? Sieht gar nicht so aus. Auckland fühlt sich ziemlich europäisch an. Was ja auch kein Wunder ist. Andererseits sitzt man aber 24 Stunden lang im Flugzeug und irgendwie denkt man dann ja doch, dass da was anders sein müsste, wenn man aussteigt.

Na gut, die Aussicht aus dem Flugzeug kurz vor Auckland war schon einmal vielversprechend, man konnte einen Blick auf schwarze Strände, interessante Hügel und eine grüne, sanft gewellte Hobbit-Landschaft erhaschen. Na gut, hier ist es zwölf Stunden später als zu Hause. Und es ist Sommer, wenn auch bedeckt und etwas regnerisch, trotzdem hat es 24 Grad und daheim in Deutschland eher um die Null Grad. Da wundert einen dann, dass trotzdem überall (sehr!) weihnachtlich dekoriert ist, es wimmelt von überladenen Christbäumen, aber bei den hiesigen Temperaturen kann man sich Weihnachten nicht so recht vorstellen.


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