Kanada Tag 34 // Dicke Leuchttürme, Seelöwen und Wale auf Vancouver Island

 In Tagebuch

10.10.2017 – Mehr Glück als Verstand, das ist meist das Motto unserer Tiersichtungen. Gestern die fünf Schwarzbären, heute ging es gleich weiter, denn wir hatten schon am Abend in Ucluelet auf Vancouver Island das glucksende, alarmanlagenartig an- und abschwellende Rufen von Seelöwen gehört. Das kennen wir ja aus Neuseeland.

Am Morgen machten wir uns also auf die Suche nach der Geräuschquelle und wurden am Fischerhafen (nicht der Bootshafen, an dem der Campingplatz ist) eine Straße weiter fündig. Die Kerlchen hatten es sich tatsächlich auf einer schwimmenden Badeinsel aus Holz gemütlich gemacht und nahmen hier gemeinsam, ein paar Meter vom Steg entfernt ihr morgendliches Sonnenbad.

Seelöwen sind ja deutlich größer (und auch gefährlicher) als Robben und charakteristisch ist neben ihrem Geschrei, dass sie liegend gerne den Kopf nach oben recken oder sogar noch weiter nach hinten biegen. Der aufsichtsführende Chef scheint diese Position sogar unbedingt einnehmen zu müssen. Andere Seelöwen liegen eher faul auf dem Rücken und strecken mal eine Flosse zum Trocknen nach oben. Ich habe große Sympathien für diese faulen Viecher! Der uns entgegenkommende Fischer hingegen nicht, er knurrte nur: „They are a bloody nuisance!“

Auf dem Lighthouse Loop (2,6 km) ganz an der Spitze der Landzunge, auf der Ucluelet liegt, ging es dann gut weiter und wir ließen uns ordentlich vom starken Wind durchpusten. Dafür hatten wir aber ganztägig strahlenden Sonnenschein! Auch der Lighthouse Loop ist wie die anderen Wege des Wild Pacific Trail total gut und schön angelegt, viele Schilder zur Orientierung und sehr viele Aussichtsplattformen mit herrlichen Blicken auf die Buchten und das Meer. Der Leuchtturm selbst (Amphitrite Lighthouse) ist breiter als hoch und bunkerartig angelegt: das ist auch nötig, da er sonst von den vielen und heftigen Stürmen weggeblasen und -geschwemmt wird.

Wir fuhren an der Westküste weiter Richtung Tofino und in den Pacific Rim National Park. Unser erster Rundgang (Bog Trail 0,8 km) führte durch ein Feuchtgebiet mit Heidelandschaft, dickem Moosteppich und nur einzelnen gekrümmten Pinien, eine Landschaft, wie wir sie bis dahin hier noch gar nicht gesehen hatten. Am 16 km langen Long Beach, dessen Südende vom Parkplatz aus fast direkt zu erreichen ist, wurden wir fast weggeweht, es war stürmisch und durch den Wind auch richtig kalt, trotz Sonne und milden Herbsttemperaturen.

Nach dem Mittagessen spazierten wir gleich nebenan durch den Urwald zum South Beach (2 km). Diese Bucht liegt geschützter und man hätte (zumindest hinter einem großen, aufgeheizten Felsen) auch die Badehose auspacken können! Faszinierend sind hier an den Stränden nicht nur die Temperaturunterschiede, sondern auch weitere erstaunliche Varianten. Es gibt breite lange Strände mit Sand direkt neben kleinen Buchten mit großen Steinen, daneben kleine Kiesel. An manchen Stränden ist viel Treibholz, an anderen keines, hier findet man Muscheln und dort nur Algen usw…

Zuletzt enterten wir den extrem schlecht ausgeschilderten (eigentlich ist da gar kein Schild) Schooner Cove Trail (2 km), der auf Holzplankenwegen und -treppen durch üppigsten Regenwald führt. Und hier kam uns dann noch ein junger Mann entgegen (wir tippen, dass es ein ortsansässiger Native war), der uns von ein paar Walen in der Bucht berichtete. Der Urwald war uns ab diesem Moment egal und wir stürmten regelrecht vor an den Strand.

Jetzt waren wir quasi am Nordende des Long Beach und brachten uns auf Felsen in Position, um dahin zu starren, wo wir uns Wale vorstellen konnten. Gar nicht so einfach bei einer riesigen Bucht im riesigen Pazifik. Der nette Indianer hatte uns noch gesagt, dass Wale nur so alle 3-6 Minuten an die Oberfläche kommen, man sie also nicht dauernd sieht, was die Beobachtung nun auch nicht vereinfacht. Mal vermuteten wir was, dann war es aber doch ein Fels oder Baumstamm.

Und dann beobachteten wir ganz klar das Sprühen von zwei Walen, kurz hintereinander. Voller Aufregung und Begeisterung schauten wir weiter – dass wir von der Küste aus Wale würden sehen können, damit hatten wir nicht gerechnet! Aktuell sind hier wohl Grauwale unterwegs. Das Sprühen sahen wir noch einige weitere Male an unterschiedlichen Stellen und zwei Mal beobachteten wir auch, wie Wale sprangen! Die hechteten sich einfach mit dem halben Körper nach oben, ein unglaublicher Anblick!

Der Fotograf hatte leider nicht so viel Glück, das auch einzufangen. Bei dem großen Ozean, sich unter dem Wasser fortbewegenden Fotoobjekten und unberechenbaren Abständen zwischen dem Auftauchen bzw. dem Springen, ist das halt doch sehr schwierig. Aber gesehen haben wir es, wie sich die riesigen Meeressäuger nach oben katapultierten. Irgendwann sahen wir die Wale sehr weit hinten sprühen, sie waren offenbar weitergezogen.

Erst jetzt schauten wir uns am Strand um. Das andere Ende des breiten Sandstrandes und ein bewachsenes Inselchen lagen vor uns. Zwei First-Nation-Kinder kletterten von der Insel und wateten durchs hüfthohe Wasser ans Ufer zurück. Sie erzählten uns, dass auf der Insel ein Schwarzbär sei, sie hätten Pfotenabdrücke gesehen und Rascheln im Gebüsch gehört. Wir hatten sowieso keine weitere Exkursion vor, sondern trotteten beglückt und nun den Urwald auch richtig wahrnehmend zurück zu Minnie Winnie.

Kurz vor Tofino fanden wir einen Campingplatz direkt am Meer, der doch tatsächlich noch eine offene Laundry hatte! Also das Finale des Sonnenuntergangs am Strand beobachten, Wäsche waschen, kochen, schlafen. Nach solchen Tagen bleibt man abends nicht mehr lange wach…

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