Essen und Trinken in Neuseeland

// Absonderliches und Leckeres am anderen Ende der Welt

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Was macht das Beutelthierchen eigentlich die ganze Zeit? Meistens ja eher wenig, es hängt vorwiegend faul herum. An meinem Rucksack nämlich, wo es sämtliche Wanderungen und Ausflüge ganz bequem mitmacht. Ansonsten isst das Beutelthierchen gerne. Es geht mit Vorliebe in riesigen Supermärkten einkaufen, stopft sich Berge von interessanten Lebensmitteln in seinen Beutel, um sich dann den Bauch damit vollzuschlagen. Ganz schön verfressen ist so ein Thierchen, kann ich euch sagen, und es ist nicht immer ganz einfach, mit so jemand Anspruchsvollem und Gefräßigem unterwegs zu sein!

Da „Beutelthierchen“ mit B beginnt, trinkt das Thierchen natürlich besonders gerne Bier, ist ja klar. Sein Ziel war, sämtliche neuseeländischen Biersorten durchzuprobieren, da wusste es aber noch nicht, wie viele es davon gibt. Ein paar von den bekanntesten (Tui: naja, Lion Red: naja, Monteith’s: ja!) hat es aber schon durch und bei diesen „Großbrauereien“ ist bisher Speight’s mit seinem Gold Medal Ale oder auch mit dem Old Dark 5 Malt Ale, dem Summit oder Distinction eindeutiger Sieger. Gerade waren wir ja in Dunedin auf der Südinsel (Bericht folgt), Produktionsort der Biere von Speight’s, nach eigenen Angaben „The Proud of the South“.

Besonders gut ist aber auch das „Sassy Red“ von Mac’s Brewery, irgendwie fruchtig, ungewöhnlich für ein Bier, Aromen von Johannisbeeren, Holunder… ? Geschmeckt hat auch ein australisches Bier, Coopers Brewery Best Extra Stout, von dem das Beutelthierchen in Australien dann sicher mehr wird haben wollen, außerdem auch die hausgebrauten Biere des Lokals Dux de Lux in Christchurch.

Speight's Gold Medal Ale

Speight\’s Gold Medal Ale. Eines der besten Biere Neuseelands. Hier eine einsame Flasche am Ninty-Mile-Beach.

Interessant beim Thema Bier ist, dass die meisten Bierflaschen hier Drehverschlüsse haben. Praktisch! Die bekommt sogar das Beutelthierchen auf! Warum gibt es das eigentlich in Deutschland so gut wie gar nicht? Kann jemand einen Brauer befragen? Eigentlich spricht doch alles dafür, oder? Dargereicht wird Bier in 330 ml Flaschen, kennt man bei uns ja auch. Interessantere Maßeinheit ist aber das „Pint“, in welcher Menge man hier häufig Bier bestellt und trinkt und womit es ein wenig komplizierter (überall ein bisschen anders) ist. Das “originale” (britische) Pint hat ja 568ml (die US-amerikanische Version kommt nur auf 473ml). Die Maßeinheit Pint ist hier jedenfalls so beliebt, dass es nur Flaschen mit 600 ml Inhalt gibt (Wasser, Cola, Limo etc.) und keine mit 500 ml wie bei uns! Deshalb gibt es folgerichtig auch keine 1 l Flaschen, sondern gleich 1,5 l Flaschen (Wasser).

Saftige Geschichten

Saft kann man dann oft in 3 l Flaschen kaufen, nochmal das Doppelte. Es gibt übrigens exzellente Säfte hier, vor allem auch leckere Mischsäfte, z.B. Apfel, Orange und Mango. Weniger lecker schmeckt Kiwi-Saft, wobei das Problem ist, dass man den Kiwibrei ja irgendwie verdünnen und dann zuckern muss, sonst schmeckt es wahrscheinlich auch schlimm…

Und als das Beutelthierchen zum ersten Mal die großen Flaschen mit “Lemon&Paeroa”, kurz L&P genannt, gesehen hat, dachte es natürlich, Paeroa sei irgendeine seltene, spannende Frucht und musste sofort probieren. Es hat dann erst herausgefunden, dass das in Neuseeland sehr beliebte Getränk (das es hier auch im Burger King gibt) einfach nur nach Zitronenlimo schmeckt. Dann hat es herausgefunden, dass Paeroa gar keine Frucht ist, sondern ein Ort, an dem es eine Quelle gibt. L&P ist also einfach Quellwasser mit Kohlensäure und Zitronengeschmack.

Italienische Kiwi

Weitgereistes Obst im neuseeländischen Supermarkt

Kiwis, Tangelos und andere Früchtchen

Wo wir schon einmal bei Obst sind: es gibt hier ausgesprochen gute Äpfel, frisch aus Neuseeland, nur mit den Kiwis ist das wieder so ein Problem: im Supermarkt finden wir fast immer nur Kiwis aus den USA, hier scheinen sie noch nicht reif zu sein, Erntezeit ist erst ab März/April. Doof, wenn man im Land der Kiwis ist. Und noch mehr gewundert haben wir uns dann, als wir vor Kurzem Kiwis aus Italien gesehen haben! Erst haben wir uns gefragt: wie um alles in der Welt werden im Februar in Italien Kiwis reif??? Dann haben wir recherchiert: Kiwis werden anscheinend unreif geerntet, nach der Ernte auf 0 Grad gekühlt und reifen dann erst bis zu 9 Monaten nach! Haben wir nicht gewusst! Und klar, vor mehreren Monaten waren in Italien auch die Kiwis reif, hier sind die vom letzten Jahr gerade „aus“. Eigentlich ein scheußlicher Gedanke, so altes Obst zu essen… Kann mal jemand von euch im Supermarkt nachsehen gehen, woher die Kiwis in Deutschland im Moment kommen?

Apple-Cucumber

Kein Straußen-Ei, sondern eine Apple-Cucumber (links neben dem Thierchen)

Ähnlich wie mit Paeroa erging es dem Beutelthierchen übrigens mit Tangelos und der Apple-Cucumber. Tangelos sehen aus wie Orangen und schmecken auch genau so. Ein wenig enttäuschend, bei so einem spannenden Namen. Apple-Cucumbers sehen aus wie sehr dicke, kugelige Gurken und sie schmecken auch fast wie Gurken. Allenfalls sind sie etwas fester. Und die Kerne sind so hart, dass man sie nicht mitessen kann, was das Ganze etwas unpraktisch macht. Boysenberry klingt dafür interessant und ist es auch: vorwiegend für Marmeladen verwendet (oder dem Thierchen hier zumindest begegnet) handelt es sich um eine kompliziertere Kreuzung zwischen Brombeeren und Himbeeren, weniger Kerne, süß, lecker!

Richtig lecker sind auch die hiesigen Avocados, die glücklicherweise gerade reif sind und wirklich aus Neuseeland kommen! Davon sind schon etliche verspeist worden! Ebenso lecker sind auch die Salate, die es hier im Supermarkt zu kaufen gibt: wirklich große Schüsseln mit verschiedenen grünen Salaten und schon mit Dressing und anderen spannenden Zutaten je nach Sorte. Natürlich gibt es griechischen Salat, der ein paar Oliven und in einem Beutel Feta enthält, dann gibt es aber auch Caesar Salad mit gehobeltem (echtem!) Parmesan und Knoblauchcroutons. Unsere Favoriten sind aber der Salat mit Pesto-Dressing, bei dem es noch getrocknete Tomatenstückchen und Croutons dazu gibt, und der asiatisch angehauchte Salat mit Sojasprossen und einer etwas scharf-süßen Mangosoße.

Kumaras statt Kartoffeln

Kumaras passen ganz hervorragend zu Fisch.

Kumara: Die neuseeländische Antwort auf die Kartoffel

Bemerkenswert findet das Beutelthierchen auch Kumaras, denn die machen sogar das Thierchen richtig satt! Es handelt sich um eine Art Süßkartoffel, die die Maori hierher gebracht und angebaut haben. Kumaras sind deutlich größer als Kartoffeln, es gibt sie mit Schalen in verschiedenen Farben (rot-lila, golden, orange), aber man behandelt und kocht sie genauso wie Kartoffeln. Also entweder schälen (bei Bedarf würfeln), in Salzwasser kochen oder auch mit Schale in Wasser kochen (das dauert wegen der Größe allerdings!) oder kochen und dann zu Kumara-Brei zerstampfen oder schneiden und zu Kumara-Pommes verarbeiten. So haben wir die „Kumara-Fries“ in Christchurch im Dux de Lux gegessen. Kumaras sind von der Konsistenz her ganz ähnlich wie Kartoffeln, aber eben leicht süßlich, ihr Geschmack geht Richtung Maroni. Sehr lecker und sehr sättigend! Und z.B. als Beilage zu Fisch super geeignet. Gibt es die Dinger in Deutschland eigentlich?

Fisch, etwa der einheimische Takihi, ist hier etwas günstiger als in Deutschland, besonders günstig sind aber auch eingeführte Scampi, die es schon öfter zum Abendessen gab. Bei einer Lachsfarm haben wir ein Stück geräucherten Lachs mitgenommen, der unwahrscheinlich lecker war! Auch Fleisch ist etwas günstiger, besonders Rindfleisch, stehen hier ja genug Rinder auf den Weiden herum. Rinderhackfleisch ist hier genauso billig wie beim Aldi und gibt eine hervorragende Bolognese-Grundlage ab.

Das Beutelthierchen hat aber auch festgestellt, dass die Neuseeländer das mit dem Wurstmachen wirklich nicht so gut können. Die von ihm probierten Würste, egal ob Beer Sticks oder Salami, waren bis auf eine Ausnahme ziemlich weich und nicht besonders schmackhaft. Gerade die Salami „Bavarian Style“ (wir wussten gar nicht, dass Bayern für seine Salamis berühmt ist) hat uns doch arg enttäuscht. Aber der Käse ist dafür überraschend gut! Tasty, ein 12 Monate gereifter Cheddar, ist wirklich sehr intensiv im Geschmack und Dolby ist dafür butterzart und sanft, aber dennoch käsig…
Genauso weich wie die Würste ist aber leider auch das Brot. Zwar gibt es nicht nur Toastbrot (das getoastet ja erträglich ist), sondern alle möglichen Sorten, eine wirklich große Auswahl, aber meistens handelt es sich um weiches, aufgeblasenes Fluffzeug. Nur einmal haben wir zufälligerweise ein schmackhafteres, körnigeres Brot erwischt…

Um hier abzuwechseln, hat das Thierchen anderes Gebäck entdeckt: saftige Scones mit Käse, Speck oder Datteln, die sich hervorragend zur Brotzeit eignen. Oder Muffins in allen Variationen. Das können die Neuseeländer dafür wieder richtig gut! Unterschiedlich gut schmecken die überall angebotenen „Pies“, also warme Fleischkuchen mit einer Art Blätterteig außenrum, beliebter Mittagssnack. Einmal hatten wir einen wirklich guten, andere sehen dagegen eher aus wie Katzenfutter und schmecken wahrscheinlich auch ähnlich…

Frühstück in Neuseeland

Ach ja, Frühstück, noch so eine angenehme Tageszeit für das verfressene Beutelthierchen: hier gibt es das erwähnte Toastbrot, mit Boysenberry-Marmelade oder Marmelade aus Zitrusfrüchten mit Zitrusfrüchteschalen (die es in einem angelsächsisch geprägten Land natürlich in großer Auswahl gibt) oder auch mit Manuka-Honig. Manuka ist ein hier wachsender Baum und der Honig besonders kostbar, günstigen und weniger wirksamen gibt es im Supermarkt, hochwirksamen, antibakteriellen und was weiß ich sonst noch wie gesunden gibt es zu Apothekerpreisen…

Unter der Marmelade ist dann Butter (seit wir den Camper mit Kühlschrank haben), dummerweise aber gesalzene Butter. Hätte man natürlich merken müssen, steht aber wirklich nur klein bei den Zutaten und nirgendwo groß drauf! Gesalzene Butter ist hier anscheinend die „normale“ Butter, nur die ungesalzene Butter wird als solche beschrieben, als Abweichung von der Norm. Nunja, das Thierchen gewöhnt sich langsam auch daran. Überhaupt scheint man es in Down under ja gerne salzig auf dem Toast zu haben, denn es gibt ja auch das schon erwähnte Marmite zum Frühstück. Eine wirklich extrem scheußliche, braune, zähe Paste, die salzig, nach Hefe und Maggi schmeckt. Als würde man sich Brühwürfel dick aufs Brot schmieren! Auch ganz, ganz dünn ist es wirklich unerträglich!

Aber es gibt ja auch noch andere Frühstückszutaten, z.B. Joghurt, der hier mager sein muss. Es gibt wenige Sorten normal fettigen Joghurt, der heißt dann „Greek Style“ und schmeckt gut. Bei den anderen Sorten wird nicht etwa der Fettgehalt angegeben, sondern die „Fettfreiheit“: also nicht 2% Fett, sondern 98% fettfrei. Naja, wenn’s glücklich macht… In diesen fettbefreiteren Joghurts ist dann allerdings Gelatine oder Agar-Agar oder Ähnliches drin, um das Ganze cremiger zu machen. Und man muss zugeben, dass das doch funktioniert, es schmeckt ganz gut! Eben hat das Beutelthierchen auch seinen Lieblingsjoghurt entdeckt: fetter Joghurt mit caramelligem Fudge, hmmmmm!

Weet-Bix

Weet-Bix: Angeblich Neuseelands Frühstück Nr. 1

Interessantestes und angeblich Neuseelands beliebtestes Frühstück sind „Weet-Bix“. Dabei handelt es sich um wirklich große Brocken gepresster Weizenflocken, fast ungewürzt (kaum Zucker!), wovon maximal 2 ins Schüsselchen passen und die dafür ihr doppeltes Lebendgewicht an Milch schlucken. Dann zerfallen sie ein bisschen und sehen fast aus wie Porridge. So ähnlich schmecken sie auch, kann man also mögen und mit etwas Zucker oder Honig oder Obst kann man sich wirklich dran gewöhnen! Das Beutelthierchen wird die Dinger jedenfalls nach anfänglichem Schrecken vermissen! Die produzierende Firma heißt übrigens Sanitarium, eine Namenswahl, die wir etwas unglücklich finden. Oder welche Assoziationen stellen sich da bei euch ein?

Zum Frühstück trinken wir als gute Engländer natürlich schwarzen Tee mit Milch. Interessant ist, dass es sehr günstigen Tee gibt, allerdings in Beuteln ohne Schnur, das macht aber nichts. Es gibt so gut wie nur puren Ceylon, keine anderen Teesorten. Und der hier verbreitetste Tee Dilmah ist angeblich “fair”…

Auch für den kleinen Hunger zwischendurch wird in Neuseeland gesorgt, es gibt jede Menge Kekse und Riegel. Das Thierchen steht auf Nut Bars, also Riegel vorwiegend aus Erdnüssen, angereichert mit anderen Nüssen, getrocknetem Obst, manchmal etwas Schokolade, die prima satt machen und gut auf Wanderungen mitgenommen werden können. Bei den Keksen kommt das englische Shortbread gut an, außerdem natürlich die schokoladig-caramelligen Toffee Pops (wenn sie auf der Autofahrt nicht zu warm geworden sind). Exotischster Keks und Favorit beim Thierchen und seinen Begleitern sind allerdings die Gingernut Biscuits, trockene runde und ziemlich harte Kekse mit Ingwer, süß, aber auch ingwerscharf, am besten von der Marke “budget”, denn da ist am meisten Ingwer drin (2%) und die sind richtig schön scharf! Da wäre doch sogar der Alfons begeistert!

Lese-Tipps
2 Kommentare
  • Kaya
    Harald
    Antworten

    Da kriegt man ja richtig Hunger, wenn man das so liest. Wie schafft ihr das nur, euch da durch zu probieren?

  • Kaya
    Kaya
    Antworten

    Du vergisst, dass wir schon zwei Monate lang unterwegs sind! Und wir sind hungrig und neugierig. 🙂

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Kontakt

Wenn wir nicht hier sind, dann sind wir auf dem Sonnendeck. Oder am Strand. Auf nette Anfragen per Mail reagieren das Beutelthierchen und sein Team aber schnellstmöglich.

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