Kaltes klares kanadisches Wasser

// Kanadas Seen und Wasserfälle zwischen Vancouver und den Rocky Mountains

 In Beutelei, Kanada, Reiseberichte

Kanada ist eine Enttäuschung. Die Reiseführer hatten doch vor allem weite Wälder und aussichtsreiche Wanderungen im Gebirge versprochen. In Kanada angekommen ist der erste Eindruck allerdings ein anderer. Kanada ist das Land des kalten, klaren Wassers. Egal ob die Fjorde des Pazifik oder dann die Flüsse und Seen im Landesinnern: es glitzert und funkelt und perlt und schäumt, dass es eine Freude ist.

Start unserer Tour im Westen Kanadas war ja in Vancouver. Logisch, dass sich das Beutelthierchen mit seinen beiden Reisebegleitern gleich einen der Stadtstrände angekuckt hat. Volleyballspieler am Strand und sanft anlandende Pazifikwellen – ein vielversprechender Beginn. Nach der ersten Tuchfühlung mit dem nassen Element ging es einen Tag später dann entsprechend weiter: Fährfahrt von Vancouver auf die andere Uferseite in Gibson, um unser Wohnmobil abzuholen. Und mit „Minnie Winnie“ fuhren wir dann auch gleich wieder auf der Fähre zurück. Die ersten zwei Stunden sind wir also mehr von Wellen geschaukelt worden als gefahren. Und so ging es munter weiter. Mit Wasser unten, von vorne, links und rechts.

Kanadas Flüsse sind Rock‘n‘Roll für H²O

Kein Tag, an dem wir nicht an wirklich beeindruckenden, wirklich fetten und wirklich glasklaren Flüssen entlangfahren. Zuerst am Cheakamus, der von den Coast Mountains seinen Weg in den Pazifik sucht. Später – nachdem wir den Wintersportort Whistler hinter uns gelassen haben – am Cayoosh. Und wie die Namen, so die Wasserläufe: ursprünglich, schäumend, ungestüm und wild. Da können Rhein & Main einpacken. Die kommen im Vergleich ähnlich fad und träge daher wie die Senioren-Blaskapelle, die gegen eine Punkband anspielen soll. Kanadas Flüsse sind Punk oder Rock‘n‘Roll. Jedenfalls wild und laut.

Nach Cheakamus und Cayoosh führte unsere Route am Thompson River vorbei, danach ein gutes Stück im spätsommerlichen Tal des Fraser River. Das Gras im Tal und den Hängen ist staubtrocken, der Strom des Fraser unten kraftvoll und frisch. Er ist der dominierende Strom in British Colombia und durchfurcht die halbe Provinz.

Es ist also rein flussmäßig (resp. rivertechnisch) einiges geboten an den ersten Tagen unserer Reise. Aber damit natürlich nicht genug. Auch der dahinbrausendste Wildwasserstrom wird auf Dauer langweilig. Die Kanadier haben sich deshalb zur Auflockerung auch was einfallen lassen. Seen und Wasserfälle nämlich. Und beides in allerhöchster Güteklasse.

Arme kanadische Photoshop-Typen, beneidenswerte Tourismus-Fritzen

Die kanadischen Seen leuchten in den verrücktesten Farben und sind dabei zumeist vor einem staunenswerten Berg- oder Waldpanorama ausgebreitet. Das freut die hiesigen Tourismusfritzen, weil sie sich den Photoshop-Profi sparen können, der sonst immer die Prospekte mühsam aufhübschen muss. Hier in Kanada verlängern die Leute in ihren Tourismusbüros einfach mal ihre Kaffeepause, gehen ein paar Schritte vor die Tür, knipsen mit dem Handy die dortige Landschaft und schon haben sie 1A-Bilderbuch-See-mit-Berg-Panorama-Fotos. So einfach ist das.

Und den Seen geben sie dann den Namen der aktuellen Praktikantin vom Visitor-Centre: Lake Agnes, Lake Alice, Lake Anette, Lake Edith usw. usf. Meist altbackene Frauennamen, aber die Seen sind trotzdem total toll. Und deshalb gibt es dazu demnächst auch noch einen extra Artikel.

Wasserfälle auf Speed

Für die kanadischen Seen wurde übrigens das deutsche Wort ‚pittoresk‘ erfunden. Das Adjektiv mit dem die hiesigen Wasserfälle angemessen beschrieben werden könnten fehlt allerdings noch. Vielleicht könnte man es mit ‚wroooaaammm‘ versuchen`?

Die Wasserfälle, die hier allerorten zu Tal rauschen, sind nämlich nahezu unbeschreiblich. Und es gibt sie natürlich in zig Varianten: tief in Schluchten stürzend, breit über Hangkanten abbrechend, kaskadenhaft fallend und noch viel mehr. Immer dabei: Rauschen und Donnern und Gurgeln. Das wirklich kristallklare Wasser schäumt und wirbelt, dass es eine Freude ist.

Und bei ihren ‚falls‘ sind die Kanadier netterweise ein wenig kreativer, was die Namensgebung angeht. Dawson Falls, Rearguard Falls, Helmcken Falls, Sunwapta oder Athabasca Falls, Spahats Falls oder Baileys Chute. Ganz offensichtlich rekrutieren die Leute in den zuständigen Wasserämtern ihre Praktikantinnen auf andere Art und Weise als diejenigen in den See-Tourismus-Ämtern.

Wenn Lachse wilde Wasserfälle emporspringen

Fest steht: in Sachen Wasser, Flüsse, Seen und Wasserfälle macht den Kanadiern niemand was vor. Das ist schon wirklich ausgesprochen hübsch. Besonders toll sind u.a. die Wasserfälle im Wells Gray Provincial Park, der in etwa auf halber Strecke zwischen Vancouver und den Rocky Mountains liegt. Und hier gibt es sogar Stellen, an denen Lachse jetzt im Herbst auf ihrem hunderte Kilometer langen Weg vom Pazifik zu ihren Laichplätzen über mittelgroße Wasserfälle „wandern“. Dabei machen sie meterweite und hohe Sprünge. Sehr beeindruckend. Allerdings irre schwer zu fotografieren. Aber so ein paar Lachs-Hüpfer haben wir doch eingefangen.

Einfach die Fotos durchklicken. Und über die kanadischen Wasser-Festspiele staunen.

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