Wellington: Hauptstadt in Feierlaune

// Vier Hochzeiten, kein Todesfall, Straßenmusik und das „Te Papa“

 In Beutelei, Neuseeland, Reisenotizen
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uch das ist Neuseeland: Glitzernde Bürohochhäuser aus Glas und Stahl, mehrspurige Stadtautobahnen und jede Menge Leben. In Wellington zeigen die Neuseeländer der Welt ganz offensichtlich, daß sie auch anders können. Während in (fast) allen anderen Städten Neuseelands abends noch vor Sonnenuntergang die Gehsteige hochgeklappt werden, geht es in der neuseeländischen Hauptstadt dann erst richtig los.

Schuld sind vermutlich die Fische oder auch die leckeren Steaks. Oder die ganze verflixt-schöne Natur in diesem Land. Fest steht, daß es der gemeine Neuseeländer gerne ruhig und entspannt angehen lässt. Entsprechend wählt er seine Leidenschaften. Angeln, BBQ oder er geht an seinen hübschen Stränden spazieren oder erklimmt irgendwelche Berge. Für Partys und Nachtleben bleibt da nicht viel Zeit. Ist ja auch nicht notwendig, wenn man erstmal die frisch geangelten Forellen auf den Grill gelegt und sich das verdiente Feierabendbier geöffnet hat.

Wer auf dieses betont entspannte Neuseelandprogramm keine Lust hat, den zieht es nach Wellington. Diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls bei der Durchreise. Ab 21Uhr sind Bars und Restaurants schon gut gefüllt. Und in den Straßen rund um den Courtenay Place und die Cuba Street ziehen ganze Heerscharen von Neuseeländern in Partylaune umher. Einige studentisch leger, manche alternativ-originell, viele extrem schick gekleidet. An den einschlägigen Clubs stehen bereits die Türsteher mit wichtiger Miene und sondieren das potentielle Publikum. Knappe Kleidchen und Röckchen scheinen „in“ zu sein. Hohe Schuhe (10 Zentimeter und mehr) ebenfalls. Und – man wähnt sich zwischenzeitlich in Ascot? – die Damen tragen vereinzelt Blumenschmuck im Haar und auch einigermaßen eigenwillige Hutkreationen sind zu besichtigen. Und das in einer Stadt, die – durchaus zu Recht – als „Windy Wellington“ bezeichnet wird. Die Frisuren jedenfalls hielten den Windböen stand…

Cable Car Wellington

Eine Fahrt mit dem nostalgischen Cable Car haben wir uns auch gegönnt.

Es gibt also einiges zu sehen in Wellington, das seit knapp 150 Jahren als neuseeländische Hauptstadt firmiert und aktuell mitsamt Ballungsraum knapp eine halbe Million Einwohner hat. Wer nicht nur Augen für das hübsche Partypublikum, sondern auch Ohren hat, der hat Spaß an den Straßenmusikanten, die (zumindest am Wochenende) erst abends zu Hochform auflaufen. Mehrköpfige Combos, die inbrünstig das Beste von U2, Leonard Cohen oder Coldplay zum besten geben sind da zu hören oder auch ein junger Kerl, der mitten auf der Straße sein Schlagzeug malträtiert. Und das um 23.30Uhr! Hat ihn seine WG rausgeworfen und er muß jetzt draußen üben? Ist die letzte Prüfung schlecht gelaufen und es handelt sich um Frusttrommeln? Man weiß es nicht. Und es ist auch egal. Fest steht, daß Wellington Spaß macht. Zumindest ist es anders. Lebendiger, schräger, bunter. Wenn Städte nicht Städte, sondern Tiere wären, dann wäre das behäbige Auckland vielleicht ein Schaf. Wellington wäre ein bunter Papagei, der einem laut ins Ohr krächzt.

Ansonsten gefällt natürlich die Lage der Stadt am Wellington Harbour. Wir haben uns das mehrmals von oben angesehen. Vom Mt. Victoria mit tollem Rundumblick. Und dann oben von der Bergstation des nostalgischen Cable Car.

Geschichte, Natur & Kultur im Nationalmuseum „Te Papa“

Und natürlich beeindruckt das „Te Papa Tongarewa“, das Nationalmuseum von Neuseeland, das meist einfach „Te Papa“ genannt wird. Es ist groß (so groß, daß wir in den 4 Stunden unseres Aufenthalts gerade mal einen groben Überblick über das ganze Austellungsangebot bekommen haben), es sieht fabelhaft aus (tolle Lage direkt am Hafen, 1998 gebaut, sieht aber aus wie neu!) und die inneren Werte, auf die es ja bei einem Museum vor allem ankommt, stimmen auch. Auf den sechs Ebenen des „Te Papa“ geht es natürlich – wie es sich für ein anständiges Nationalmuseum gehört – um Neuseeland. Um seine Natur, seine Geschichte und Kultur. Präsentiert wird das auf allerhöchstem didaktischen Niveau. Die Inhalte werden wirklich toll aufbereitet. Multimedial selbstverständlich, aber niemals langweilig.

Das 'Te Papa'

Das Nationalmuseum ‚Te Papa‘

Aber Langeweile kommt sowieso nicht auf, wenn man – so wie wir – gerade mal zwei Tage in Wellington verbringt. So ließ sich in der kürze der Zeit auch nicht mehr recherchieren, ob die Standesämter Wellingtons an diesem Wochenende mit irgendwelchen Sonderangeboten geworben hatten. Oder bewirbt sich die Stadt eventuell um den Beinamen „Weddington“? Wir sahen jedenfalls mehrere Hochzeitsgesellschaften und die Grüppchen von jungen Frauen, die ganz offensichtlich mit einem heiter-angeheiterten Abend den Abschied vom Junggesellinnendasein feierten haben wir gar nicht erst gezählt.

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