Thiere in Neuseeland

// Tiere töten oder retten

 In Beutelei, Neuseeland, Reiseberichte

Dass die Kühe und Schafe hier in Neuseeland einfach glücklicher und zufriedener wirken, hatte ich ja schon erwähnt. Sie fressen das saftige, extrem grüne neuseeländische Gras und haben riesige Weiden. Die Kühe haben glänzendes Fell, wirken muskulös, bewegen sich mehr als unsere Milchkühe und machen auch schon mal Freudensprünge.

Ab und zu sieht man auch Rehe (und/oder Hirsche?) eingezäunt auf Weiden, was ein einigermaßen seltsamer Anblick ist. Die Schäfchen sind mehr oder weniger geschoren, stehen auf die Hügel verteilt oder trinken an einem Bach und rennen putzig mit ihren Hintern wackelnd davon, wenn ein Auto vorbei fährt. Insgesamt geht es denen wahrscheinlich ganz gut.

Trotzdem büchsen ziemlich oft welche aus, sodass Marc Neuseeland schon das „Land der freilaufenden Nutztiere“ getauft hat. Wir hatten auf unseren Ausfahrten jedenfalls schon beinahe massenweise Kühe, Schafe, Hühner und auch mal ein Pferd (bei unserem Abstecher zum Ninety Mile Beach) direkt an der Straße stehen. Auch Kaninchen hoppeln da rum, die sind allerdings schon länger “ausgebrochen” und vermehren sich nun fröhlich…

Freilaufende Schweinchen an der “Road 309”

Streichelzoo am Straßenrand

Extrem war es mit den freilaufenden Tieren natürlich im Fall der „309 Road“, auf der man die Coromandel-Halbinsel queren kann: dort standen bzw. lagen jede Menge Schweinchen in allen Größen und mit unterschiedlichen Mustern und Farben auf der Straße herum, zusätzlich staksten Hühner und Pfauen (persönlich nicht gesehen) durch die Gegend. Perlenschwein hat auch schon berichtet. Wir haben natürlich angehalten, die Schweinchen, die anscheinend Haustiere und nicht zum Verzehr gedacht sind, kamen näher und kuschelten sich an unsere Autoreifen, sodass wir beim Losfahren wirklich aufpassen mussten, dass wir keines überfuhren.

Erwischt haben wir noch keines der freilaufenden Nutztiere, dafür aber leider den ein oder anderen Vogel (einer ist einfach auf der Straße sitzen geblieben, ein anderer ist uns direkt gegen die Windschutzscheibe geflogen). Besonders in Northland sitzen nämlich oft massenweise amselgroße, etwas schlankere Vögel auf den Straßen herum, die nicht davonfliegen, sondern nur eilig wegstaksten, wenn ein Auto kommt. Manchmal nicht schnell genug. Wir fragten uns auch, was die da eigentlich tun, denn es gibt ja nichts zu fressen für sie auf einer geteerten Straße, oder? Haben die kalte Füße und brauchen deshalb eine Fußbodenheizung???

Die neuseeländische Possumplage

Besonders gern überfahren werden hier die Possums, wirklich viele von ihnen liegen auf der Straße herum. Wir selbst haben noch keines überrollt, eines ist uns knapp entkommen, wir haben ihm kurz in die Augen geblickt. Eigentlich doch ganz possierlich, so ein pelziges Possum, die Neuseeländer hassen diese aus Australien eingeschleppte Plage (eigentlich zur Pelzerzeugung gedacht gewesen und absichtlich ausgesetzt) aber herzlich, sind die Possums doch für den Rückgang der Kiwi-Population mitverantwortlich (sie fressen gerne Kiwi-Eier), futtern zu viel Grünzeug und sind angeblich auch Überträger der Tuberkulose. Neuseeländer sind also richtig gehend stolz, wenn sie ein Possum überfahren. Was ich mich bei der Gelegenheit frage: wenn man nun einen Pelzmantel aus Possum trägt, geht man dann als Tierschützer (wegen der Kiwis) durch oder doch als Tierquäler?

Bevor wir zu den Kiwis kommen aber noch ein kurzer Ausflug in die Welt der Insekten. Im Urwald fast allgegenwärtig sind braune, recht große (wahrscheinlich) Zikaden(?), die tagsüber ohrenbetäubend zirpen und knacken, nachts sind sie still. Sie werden nicht ruhig, wenn man näher kommt, man kann sie sich also ganz gut ansehen. Sie sind keine Flugkünstler, eine ist mir schon gegen die Brille gebrummt.

Auf den Stufen zu unserem „Tree House“ habe ich auch eine Stabheuschrecke entdeckt, wie ich sie bisher nur aus dem Asam-Gymnasium kannte. Hatte ich dieses als Ast verkleidete Tier ausgemacht, entging mir das auf der nächsten Stufe sitzende Ding leider beim ersten Blick: leider bin ich draufgetreten. Es tut mir wirklich sehr leid, liebes Tier, aber es ist nun mal ganz schlecht, wenn man sich zum Eierlegen auf eine Treppe setzt und dann auch noch aussieht wie ein Blatt! Gegen Fressfeinde mag das ja praktisch sein, bei einem Menschen, der dem Tier (evtl. eine Mottenart?) eigentlich nichts Böses will, ist es aber eher problematisch…

Leider nur ausgestopft: Kiwi-Familie.

Und natürlich Kiwis

Nunja, kommen wir zu den eigentlichen, originalen Einwohnern Neuseelands, den Vögeln. Denn außer den Insekten sind ja alle bisher genannten Tiere (Possums, Kühe, Schweine, Schafe, Rehe, Kaninchen etc.) vom Menschen hierher gebracht worden, bis auf eine Fledermausart gab es zuvor keine Landsäugetiere in Neuseeland. Nur Vögel. Und nachdem die keine Feinde hatten, konnten sie sich hier prächtig vermehren und unterschiedlich entwickeln.

Nach unserem Besuch im Rainbow-Springs-Nature-Park erkenne ich jetzt sogar schon einen Vogel am Gesang: den Tui. Er ist schwarz, hat ein lustiges weißes Bärtchen und ist auch als die Nachtigall Neuseelands bekannt, weil er so schön singt. Allerdings unterbricht er sein hübsches Gezwitscher immer wieder mit einem hässlichen Krächzer, was ihn ziemlich unverwechselbar macht. Und was aus der Nähe (im Zoo) auch ziemlich komisch aussieht, nämlich so, als müsste er sich gleich übergeben.

Interessant sind natürlich auch die Keas, die vor allem auf der gebirgigen Südinsel leben und von denen wir hoffentlich noch einige in freier Wildbahn erleben werden. Diese sehr klugen und experimentierfreudigen, papageienartigen Vögel gehen den Wanderern wohl oft ziemlich auf die Nerven, weil sie gerne alles auseinandernehmen und kaputt machen, was geht…

Aber am bemerkenswertesten ist natürlich der Kiwi-Bird. Vorsicht: man darf ihn hier nicht einfach Kiwi nennen, denn Kiwis ist die Bezeichnung für die Neuseeländer, also die Menschen. Kiwi-Fruit meint das Obst. Und Kiwi-Bird eben den Vogel, das Markenzeichen Neuseelands. Auf der Führung durch den „Kiwi Encounter“ in Rotorua haben wir viel über diese besonderen Vögel gelernt. Klar, sie können nicht fliegen. Ihre Flügel sind bis auf einen kleinen Stummel (etwa so groß wie unser kleiner Finger) verkümmert, deshalb sehen sie auch so aus, als würde ihnen etwas fehlen. Hinten fehlen ihnen auch die Schwanzfedern, mit denen normale Vögel steuern, Kiwis haben einfach einen sehr runden Po. Überhaupt sind sie sehr rund und kugelig und dadurch natürlich putzig.

Einzige Gliedmaßen sind die gut ausgeprägten Beine (Kiwis können angeblich so schnell wie ein Mensch laufen) mit scharfen Krallen, mit denen sie sich notfalls verteidigen können – aber nur die ausgewachsenen Kiwis, ein kleiner Kiwi hat gegen einen Marder oder ein Wiesel keine Chance. Nur weil es diese Feinde (zusammen mit den eierfressenden Ratten und Possums, mit Katzen, Hunden und Schweinen) in Neuseeland nicht gab, konnten sich die Kiwis so entwickeln und brauchten nicht mehr zu fliegen. Kiwis haben auch keine richtigen Federn, wie man sie sonst von Vögeln kennt, sondern ein eher flauschiges Federkleid, das fast wie Fell aussieht.

Was macht so ein Kiwi also den ganzen Tag? Viel schlafen (tagsüber) und nachts ansonsten auf seinen kräftigen Beinen herumstaksen und mit dem langen Schnabel in der Erde nach Insekten, Käfern, Würmern etc. schnüffeln. Denn Kiwis sehen nachts genauso schlecht wie Menschen, haben dafür aber in feines Gehör (und einen recht großen Gehöreingang) und ein exzellentes Näschen (ungewöhnlich für Vögel), wobei die Nasenlöcher ganz unten an der Spitze des sehr langen Schnabels und nicht etwa oben am Kopf sitzen! So schnüffeln sie also wirklich mit der Schnabelspitze! Und sie orientieren sich zusätzlich mit längeren „Haaren“ an der Schnabelbasis, die ähnlich wie die Schnurrhaare einer Katze funktionieren.

Kiwis leben paarweise in einem Revier und monogam zusammen. Die Kiwidamen legen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße die größten Eier aller Vögel (bis zu 30% des Körpergewichts der Vogelmutter) und wirklich sieht das im Querschnitt ganz unmöglich aus, wie so ein riesiges Ei im Körper der Mutter Platz haben kann. Die Mütter haben mit dem Eierlegen ihre Aufgabe allerdings erfüllt, brüten muss das Männchen. Auch eine interessante Aufgabenteilung! Und gebrütet wird lang, 60-90 Tage. Dann schlüpfen die Kiwis, schreien dummerweise sofort (und werden deshalb noch leichter gefressen) und sind auf sich alleine gestellt. Die kleinen, flauschigen, niedlichen Dinger!

Wenn sie also Glück haben, dann hatte ihr Papa einen Sender, sodass eine Aufzuchtstation die Eier entdecken konnte (weil der Papa sich plötzlich nicht mehr bewegt und brüten muss). Dann werden die Eier in der Station ausgebrütet und die kleinen Kiwis werden hier umsorgt und aufgepäppelt, bis sie als große, wehrhaftere Kiwis wieder ausgesetzt werden können. Viel Glück, liebe Kiwis!

Lese-Tipps
2 Kommentare
  • Kaya
    Perlenschwein
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    Hallo Kaya,
    die von dir erwähnten amselgroßen Vögel in Northland sind mit ziemlicher Sicherheit Mynahs. Der Mynah ist ein aus Asien eingewanderter Star und sitzt deshalb gern auf der Straße, weil dort reichlich totgefahrene Insekten zu finden sind, nicht wegen seiner kalten Füße. (So sieht ein Mynah aus http://bit.ly/fXGefQ )

    Ich wünsche euch weiterhin eine wundervolle Zeit in NZ und grüße aus dem winterlichen Dortmund.
    Johannis (aka Perlenschwein)

  • Kaya
    Kaya
    Antworten

    @Johannis Ja, klar, das sind sie, die Mynahs! Danke! Lustigerweise heute im Wellingtoner Te Papa Museum ein ausgestopftes Exemplar (mit Benennung) gesehen!

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