Wo die Glühwürmchen wohnen

// Waitomo, das King's Country, White Cliffs & Mt. Taranaki

G

lühwürmchen glühen. In Neuseeland glühen Glühwürmchen praktischerweise an Höhlendecken, sodass man sie den ganzen Tag lang  und nicht nur nachts bestaunen kann. Und obwohl wir schon einige wenige Glühwürmchen in der Karangahake Gorge gesichtet haben, glühen sie offenbar ganz besonders gerne in den Höhlen rings um Waitomo.

Auch sonst haben diese Glowworms (Arachnocampa luminosa) nicht besonders viel mit europäischen Glühwürmchen zu tun. Sie können nicht fliegen, sondern sind Larven, die an Höhlendecken kleben und dort lange klebrige Fäden spinnen, die herunterhängen. Dann glühen sie, in Gruppen, damit in die Höhle fliegende Insekten glauben den Sternenhimmel über sich zu haben und hinfliegen. Sie verheddern sich und werden von den Glowworms gefressen. Nicht besonders romantisch. Fressen müssen sie aber, denn einmal verpuppt und als Fliege geschlüpft zeugen sie nur weitere Glowworms und sterben bald: sie können als „fertiges“ Insekt nicht fressen, denn sie besitzen keinen Mund!

Solches Gethier haben wir uns also in den „Waitomo Glowworm Caves“ (am 19.1.) angesehen, zusammen mit einem netten Führer namens Mark. Quer durch die großen Kalksteinhöhlen, vorbei an Tropfsteinformationen etc., dann hinein ins Boot, um auf dem unterirdischen Fluss dahinzugleiten. Und da waren sie, zahlreich und hell wie die Sterne am Firmament, die Glowworms. Ein wirklich schöner Anblick! Nur ein bisschen kurz war’s…

Bemooste Bäume auf dem Ruakuri-Bushwalk.

Bemooste Bäume auf dem Ruakuri-Bushwalk.

Von Waitomo aus fuhren wir dann westlich, tiefer hinein ins King’s Country. Das heißt so, weil sich hierher einige Maori mit ihrem „König“ während der New Zealand Wars zurückgezogen haben. Wirklich schön war der eigentlich halbstündige Ruakuri Bush Walk oder auch „Natural Tunnel Walk“, durch Stehenbleiben, Gucken und Fotografieren haben wir dafür fast eine Stunde gebraucht. Hier ist der Urwald plötzlich noch dichter als in Northland, mehr Schlingpflanzen, Lianen, knorrige Bäume und vor allem mehr Moos! Dadurch wird alles noch grüner und flauschiger! Der Walk führte auch zu bzw. durch einige „natürliche“, von Flüssen gegrabene Höhlen und Tunnel, wirklich ausnehmend schön!

Enttäuschend waren dann aber die Piripiri-Caves. Zu diesen gut 20 km westlich von Waitomo liegenden Höhlen, die einzigen, die ohne Führung und gratis zu besuchen sind, war ich eigentlich auch deshalb gekommen, weil ich gehofft hatte, dass hier auch ein paar Glühwürmchen wohnen, die ich dann ungestört würde bestaunen können: leider Fehlanzeige! Nette Höhle, aber nix glüh…

Bilderbuch-Wasserfälle: Marokopa-Falls

Lohnender war da schon der Abstecher zu den Marokopa Falls, laut einem Bildband „einer der schönsten Wasserfälle Neuseelands“. Und wirklich prasselte das Wasser ganz malerisch auf grün bemooste Steine herab und verteilte dabei Wassertropfen in der Luft, sodass sich ein Regenbogen bildete! Hach!

Die Marokopa-Falls.

Etwa 35 Meter stürzen die Marokopa-Wasserfälle in die Tiefe.

Und es ging gut weiter! Die Route nach Marokopa an die Küste und dann der Küste entlang nach Süden bis Mokau war wirklich herrlich, hübsch gefaltete Berge, runde Hügel, Farmland, Kühe und auf die Hügel verteilte Schäfchen, Flüsse, die sich tief in die grünen Wiesen eingegraben haben, manchmal ein paar hübsche Felsen und Stückchen rote Erde. Und kein Verkehr, auf 60 km kam uns ein einziges Auto entgegen! Wir waren ein bisschen spät dran, aber wenn man mehr Zeit hat, dann lohnt sich eine Erkundung dieses verlassenen und vom Tourismus kaum berührten Winkels bestimmt!

In Mokau angekommen haben wir dann unser wunderschönes „Bach“ (ausgesprochen „Bätsch“ – so nennen Neuseeländer ihre Ferienhüttchen) mit Blick aufs Meer und den Mount Taranaki, angeblich einen der schönsten Berge der Welt, bezogen. Blick aufs Meer sowohl vom Tisch als auch vom Bett aus!!!

Weiße Klippen und steinerne Elefanten

Und am nächsten Tag (20.1.) mussten wir die Küste natürlich näher erkunden und haben eine lange Wanderung an den „White Cliffs“ unternommen, wobei wir am südlichen Ende (etwas nördlich von Urenui) begonnen haben. Hin ging es hinauf auf die Berge über Wiesen und vorbei an Kühen, weiter durch die bewaldeten Berge, in denen anscheinend weitere Szenen des Films „Das Piano“ gedreht wurden. Und zurück liefen wir dann am Fluss entlang zur Küste, wo man bei Ebbe am schwarzen Strand entlang gehen kann. Und der ist wirklich noch mehrere Nummern schwärzer als der bei Karekare, was sich bei den weißen Klippen natürlich besonders gut macht! Also wildes Meeresrauschen (Baden ist dort wegen der Wellen und gefährlichen Strömungen nicht angesagt), glitzernder schwarzer Sand, weißer Fels, Sonne, Möwen…

Nach der Wanderung sind wir gen Norden gefahren und haben die „Two Sisters“ und den „Elephant Rock“ bewundert, Gesteinsbrocken, die das Meer aus der Felsküste herausgespült hat und um die man bei Ebbe herumlaufen kann. Die „Two Sisters“ waren wohl mal „Three Sisters“, bis eine eingebrochen ist. Und der andere Fels sieht wirklich wie ein kleiner Elefant aus, sehr süß! Die White Cliffs und die Sisters haben nur einen winzigen Absatz im Reiseführer, der Ausflug lohnt sich aber wirklich!

Der wolkenumtoste Mt. Taranaki

Und nachdem wir nochmal mit Blick auf Meer und Taranaki gespeist und geschlafen hatten, mussten wir da am nächsten Tag (21.1.) selbstverständlich hin, zum Herrn Vulkan, der seinen Gipfel gern in Wolken hüllt! Fünf Stunden lang sind wir an den Hängen dieses symmetrisch geformten und an der Spitze schneebedeckten Berges umhergewandert, erst den Veronica-Rundweg, dann den Rundweg zur Maketawa-Hut. Wirklich schöne Wanderungen auf teils befestigten Wegen, teilweise aber auch durch Gestrüpp, Wurzelwerk, durch trockene Flussbetten und über Leitern. Wieder (wie bei Waitomo) mit vielen Farnen, Moosen, knorrigen Bäumen und Urwaldgewucher. Man hat aber doch schon gespürt, dass man höher ist, teils wehte ein kühler Wind und der Gipfel zieht anscheinend wirklich Wolken an, sodass wir froh um unsere Jacken waren.

Ziemlich erledigt sind wir in New Plymouth, der vibrierenden Metropole in dieser Region, doch noch ins Zentrum marschiert, um uns das „Festival of Lights“ im Stadtpark anzugucken. Beeindruckender als die bunten Lichtchen war allerdings die Live-Band, zu deren schräger Musik zwei Grazien in rosa Tüll-Kleidern, Ringelstrümpfen und mit Flügeln auf dem Rücken herumtanzten. Ein bisschen wie übergeschnappte Glühwürmchen…


Einen Kommentar schreiben