Bauchige Buchten und dickbäuchige Bäume

// der Norden Neuseelands: Northland und Coromandel

K

aum sind wir eine gute Woche aus Auckland raus, schon weiß ich nicht mehr, wie viele Buchten und Strände ich schon gesehen habe. Dabei waren sie alle bemerkens- und merkenswert! Läge auch nur eine dieser Buchten in Italien, würde ein riesiger Wirbel darum gemacht.

Wie schon angedeutet haben wir unseren ursprünglichen Plan gleich mal umgeschmissen und sind von Auckland aus nicht die Westküste hinauf gefahren, sondern im Osten hoch in den warmen Norden. Klingt komisch, ist aber so, auf der Südhalbkugel eben umgekehrt: Norden = wärmer, Süden = kühler.

Aufregend war natürlich erst einmal, überhaupt das erste Stück mit dem Mietwagen zu fahren, in den wir nach einem etwas umständlichen Abholungsmanöver (aus der Stadt raus zum Flughafen und von dort mit dem Abholservice des Verleihers zum Mietwagenverleiher) erst mittags einsteigen konnten. Es klappte aber alles perfekt, die Automatik war schnell erklärt und schon rollte unser Toyota Corolla Spacio los, links natürlich. Einziges Problem war (und ist) eigentlich, dass der Blinker halt auch an der anderen Seite ist. So stehen wir jetzt manchmal an Kreuzungen und der Scheibenwischer wischt fleißig, bei strahlendem Sonnenschein.

Ein kurzer Stop an einem Supermarkt und Picknick am Meer bei Orewa, dann ging es weiter zu unserer gebuchten Unterkunft, dem „Seaview Cottage“ etwas östlich von Whangarei. Dass es tatsächlich dermaßen „seaview“ sein sollte, konnte ja keiner ahnen: von der Bucht nur durch eine kleine Straße getrennt lag das Hüttchen wirklich mit Blick von der Terrasse direkt aufs Meer. Und nachdem die Bucht nach Westen ausgerichtet ist, konnten wir hier an unserem ersten Abend in Neuseeland außerhalb Aucklands schon mal die Sonne rot im Meer versinken sehen.

Also die erste Bucht. Am nächsten Tag ging es dann gleich an die Tutukaka-Coast, wo wir an der Matapouri Bay und der Sandy Bay (und einer weiteren, deren Namen ich nicht mehr weiß) spazieren gingen. Krönender Abschluss war dann der schon erwähnte Ocean Beach hinter Whangarei Heads. Strände zwischen weiß und goldgelb, an denen nur ein paar Surfer und Kinder waren, hohe Wellen, klares, türkis-blaues Wasser, grüne Hügel im Hintergrund… Traumhaft!

Beutelthierchen am Strand

Das Beutelthierchen blickt auf das Meer.

Weiter ging es Richtung Norden am 10.1. mit unserem ersten Bad im Pazifik bei Wind und Wellen, wahrscheinlich hieß die Bucht Taupiri. Steil abfallende Küste, schwarze Felsen im Meer, Blick auf einige Inseln… Und dann stiegen wir auch noch auf den Flagstaff Hill in Russell, um die Aussicht über die Bay of Islands zu genießen.

Nächste Unterkunft war im „Tree House“, in einer kleinen Holzhütte im Wald, bei Kohukohu. Gleich an der Hokianga Harbour, also wieder Wasser, das wir mehrmals mit der Autofähre überquerten und wo die Kouhu-Boulders (kreisrunde Felskugeln) am Ufer herumliegen. Von dort haben wir einen „kleinen“ Ausflug an den nördlichsten Punkt Neuseelands – Cape Reinga – unternommen, mit einem Abstecher an den Ninety Mile Beach. Der ist zwar keine 90 Meilen lang, aber fast 90 Kilometer und das ist auch unendlich, wenn man irgendwo in der Mitte steht und nach links und rechts den goldgelben Strand entlang blickt. Vom Cape Reinga haben wir eine kleine Wanderung Richtung Cape Maria van Diemen unternommen und am dazwischen liegenden Te Werahi Beach waren wir dann einfach ganz alleine…

Wirklich erwähnenswert war dann noch der Karekare-Beach westlich von Auckland, an dem wir festgestellt haben, dass schwarzer Sand in der Sonne noch einmal deutlich heißer wird als heller und uns fast die Füße verbrannt haben. An diesem dunklen Sandstrand mit einem Felszacken im Meer und der steilen, bewaldeten Küste wurde die Eingangsszene von „Das Piano“ von Jane Campion gedreht, hier bleibt der Flügel dann im Sand stehen… Wunderschön!

Mehr als bemerkenswert waren dann auch zwei Strände, die wir auf der Weiterreise über die Coromandel-Halbinsel östlich von Auckland besucht haben (da geht eine Halbinsel wie ein Finger gen Norden; auf Coromandel hatten wir ebenfalls ein Apartment mit Meeresblick). Da ist einmal der Cathedral Cove, zwei kleine Strände, zu denen man (entlang an anderen wunderschönen Buchten) über die steile, bewaldete Küste wandern muss und die bei Ebbe durch ein Tor im hellen Felsen verbunden sind. Dazu Sand und großartig klares, blaues Wasser.

Und schließlich der Hot Water Beach, wo man nicht unbedingt zum Baden hingeht, denn die Strömungen sind gefährlich. Man schaufelt sich bei Ebbe lieber Löcher in den Sand und lässt sie sich mit dem heißen Wasser, das mit etwa 60 Grad aus einer unterirdischen Quelle heraufsprudelt, vollaufen und badet dann darin. Das mit dem Schaufeln haben wir nicht so ganz hinbekommen (das böse Meer hat unseren Wall mit seinen Wellen immer wieder zerstört), aber auch hier haben wir uns beinahe die Füße verbrannt: wenn man sich ein bisschen in den Sand bohrt, dann hält man die Wärme des Wassers kaum aus. Und es ist faszinierend anzuschauen, wie sich kleine Wirbel im Sand bilden, weil da das heiße Wasser nach oben drückt…

Tane Mahuta

Der Kauri: Tane Mahuta

Ach ja, es gibt ja auch noch anderes als Strände! Bäume zum Beispiel! Richtigen Urwald! Den ersten haben wir schon bei Whangarei durchstreift, auf dem Weg zwischen den Whangarei Falls (angeblich die meistfotografierten Wasserfälle Neuseelands) und dem A.H. Reed Memorial Kauri Park. Wenn man das wie wir als Allererstes macht, dann ist man wirklich fasziniert von den hohen Urwaldbäumen, den hohen Baumfarnen und dem ganzen grünen Gewucher dazwischen. Und dann kommen die Kauris. Später gab es noch größere zu sehen, aber auch die hier sind schon beeindruckend.

Kauris sind Bäume, die nur in Neuseeland vorkommen und mit denen früher die ganze Nordinsel bedeckt war, bevor man das meiste abgeholzt hat. Da sie so riesig werden (z.B. 13 Meter Umfang und 51 Meter Höhe) und noch dazu unten keine Äste haben, eignen sie sich hervorragend als Bauholz etc. Jetzt sind nur noch ein paar der alten Riesen übrig, Tane Mahuta, der Herr des Waldes, wird auf etwa 1.500-2.000 Jahre geschätzt. Er steht an der Westküste von Northland im Waipoua Forest, hier findet man auch andere alte Vertreter, wie etwa den für mich am beeindruckendsten Te Matua Ngahere, Vater des Waldes, mit 16 Metern Umfang der dickste Kauri. Er ist zwar nicht so hoch (30 m), der Stammumfang ist aber wirklich unbeschreiblich, wenn man davor steht!

Wir haben auf einigen kleinen Wanderungen noch viel mehr riesige Kauris gesehen und sind auf der Fahrt Richtung Auckland auch ins Kauri-Museum von Matakohe gegangen, wo man einen guten Einblick vor allem in die Abholzung und Verarbeitung der Kauris bekommt. Neben dem Holz war nämlich auch das Kauri-Harz interessant, das Ähnlichkeiten mit unserem Bernstein hat, aber etwas weicher ist.

Und außer Buchten und Bäumen? Viele Tiere (aber dazu ein andermal mehr), schöne Landschaften, einige Wasserfälle und eine Wanderung durch eine Schlucht (Karangahake Gorge) in einem ehemaligen Goldabbaugebiet auf Coromandel. Hier konnte man den langen Tunnel der Gold-Transport-Bahn durchwandern und außerdem einige Stollen erkunden, wo wir schon ein paar der neuseeländischen Glühwürmchen zu Gesicht bekommen haben… Wunder über Wunder! 🙂

Puh, mit diesem Artikel habe ich mich etwas schwer getan (merkt man vielleicht, unter anderem auch an der längeren Pause), einerseits weil ich abends fast immer schrecklich müde war und bald schlafen gehen musste. Andererseits gab es immer mehr zu berichten und je mehr es zu berichten gab, desto weniger Lust hatte ich dazu und dann gab es noch mehr usw… Nun ja, ich hoffe, nächstes Mal wird’s besser!


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